Wenn Lehrer in den Ferien die Schulbank drücken

Die Schulbank in den Ferien drücken? Ungewöhnlich ist das, wenn es Schüler tun. Noch ungewöhnlicher ist es, wenn Lehrer die Rolle tauschen. So geschehen an der Jeetzeschule in Salzwedel in den zurückliegenden Winterferien. Vier Tage lang hat das gesamte rund 30köpfige Lehrerteam gepaukt. Keine trockenen Vorlesungen, sondern viel für die fünf Sinne. Nicht grundlos. Denn im Mittelpunkt der vielschichtigen Weiterbildung stand die Frage: Wie können Schüler nachhaltig lernen? Unmöglich im Zeitalter von Google, Facebook und Prinzessinnen-Kindern?

Montessori-Fortbildung in der Jeetzeschule Salzwedel mit Claus Dieter Kaul, der seit 35 Jahren als „Montessorilehrer“ mit Kindern und anderen Menschen zwischen 2 und 80 Jahren aktiv ist. Mit der Gründung des Instituts für ganzheitliches Lernen (1991) ist er in ständiger Reflexion der Montessoripädagogik bezüglich neuester Erkenntnisse aus der Gehirnforschung und der Humanwissenschaft.

Montessori-Fortbildung in der Jeetzeschule Salzwedel mit Claus Dieter Kaul, der seit 35 Jahren als „Montessorilehrer“ mit Kindern und anderen Menschen zwischen 2 und 80 Jahren aktiv ist. Mit der Gründung des Instituts für ganzheitliches Lernen (1991) ist er in ständiger Reflexion der Montessoripädagogik bezüglich neuester Erkenntnisse aus der Gehirnforschung und der Humanwissenschaft.

Von wegen,  sagt Claus-Dieter Kaul. Er schaut auf 40 Jahre Berufserfahrung zurück, war Leiter des Instituts für ganzheitliches Lernen in Bayern und ist erfahrener Montessori-Pädagoge. Für die Lehrer der Jeetzeschule hatte er nicht nur viel Material für den Mathematik-, Sprachen-, naturwissenschaftlichen und gesellschaftswissenschaftlichen Unterricht mitgebracht, sondern auch eine klare Botschaft:  „Lernen ist Leidenschaft“. Diese Leidenschaft, gar ein Feuerwerk an Leidenschaft, kann geweckt werden, ist sich der gebürtige Hesse sicher. Spätestens dann, wenn sich die scheinbare trockene Mathematik oder Grammatik in Figuren und Geschichten auflöst. Der Mensch lernt mit dem Auge, mit seinen Sinnen. Warum nicht auch im Unterricht? Wie das geht, haben die Lehrer der JiS hautnah erfahren. Potenzrechnung? Kein Problem! Würfel, Stange und Platte geben die richtige Lösung. Schneller als auf Papier gerechnet und obendrein mit einem Schuss Philosophie versehen.  Der Aufbau pflanzlicher Zellen? Mit Filzobjekten und einer guten Geschichte nachhaltig erklärt. Doch die Unterrichtsmethode, die Didaktik, ist das eine. Das andere ist der Lehrer. Er muss brennen, Leidenschaft für sein Wissen zeigen, so Kaul. Interaktion zwischen Schüler und Lehrer ist für ihn ein Schlüssel zum Erfolg. Der Lehrer steht im intensiven Kontakt mit den Schülern. Nicht von oben herab, sondern als jemand, der teilhaben lässt. Und klare Forderungen stellt. „Kinder müssen heutzutage viel direkter angesprochen werden, viele sind beziehungsarm“, ist eine Beobachtung von Kaul. Deswegen müssen die Kinder viel konkreter erfahren, was ihre Verantwortung ist, auch und vor allem beim Lernen. Während seines öffentlichen Vortrages in der Aula der Jeetzeschule  gab der gebürtige Hesse den Eltern diese Forderung mit auf den Weg. Damit die Eltern nicht länger an scheinbaren Lernmisserfolgen ihrer Kinder leiden und ihre Kinder nicht weiter als Prinzessinnen unter einer Schutzglocke leben lassen. Schule kann, Schule muss Spaß machen, ohne das Ziel des eigenverantwortlichen Lernens aus dem Auge zu verlieren: Wie das geht, wissen jetzt die Lehrer der Jeetzeschule noch besser. Denn auch Lehrer lernen eben nie aus.

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