Zeitzeugen und Schüler erinnern am Bahnhof gemeinsam an die Bomben-Opfer

Salzwedel – Am 22. Februar 1945 wollte die Mutter von Peter Loeh mit ihrem kleinen Sohn aufs Land fahren, um Lebensmittel zu besorgen. Trotz Warnungen vor einem Luftangriff hoffte sie, am Bahnhof Salzwedel noch rechtzeitig einen Zug zu erreichen. „Kaum hatten wir das Bahnhofsgebäude betreten, begannen die Bombenangriffe“, erzählt der heute 82-jährige Loeh. „Die Druckwelle warf meinen Kinderwagen um, doch meine Mutter konnte sich mit mir in einen Keller nahe des Bahnhofs retten“, weiß er zu berichten.

Bürgermeister Olaf Meining (l.) und Julius Lohr erinnern daran, welche Folgen Hass und Verfolgung haben können.

Peter Loeh (82) überlebte den Angriff

Eigene Erinnerungen hat er daran nicht – er war damals erst ein Jahr alt. Doch die Erzählungen haben sich tief in das Familiengedächtnis eingeprägt. Ähnlich erging es Hunderten Salzwedelern, die den verheerenden Angriff auf den Bahnhof erlebt oder Angehörige dabei verloren hatten. Mehr als 300 Menschen waren damals gestorben, der Bahnhof wurde vollständig zerstört. Salzwedel war dabei nur einer von rund 200 Orten, die an diesem Tag gleichzeitig bombardiert wurden – Städte, Kleinstädte und wichtige Verkehrsknotenpunkte waren Ziele der parallel stattfindenden Angriffe.

Erlebnis bewegt Zeugen bis heute

Am Sonntag erinnerten rund 30 Menschen bei der jährlichen Gedenkfeier am Gedenkstein vor dem Bahnhof an die Opfer. Bürgermeister Olaf Meining bezeichnete den Ort als „Ort der Erinnerung und Hoffnung“. Auch Loeh nahm teil und brachte ein ledergebundenes Album mit Notizen und Fotos aus der Zeit mit. Im Gespräch wurde deutlich, wie sehr ihn das Ereignis bis heute bewegt.

Auch der heute 82-jährige Peter Loeh gedachte am Sonntag der schrecklichen Ereignisse.

„Viele tragen dieses Ereignis noch immer mit sich“, sagte Meining in seiner Rede. Der Bombenangriff sei kein abstraktes historisches Ereignis, sondern wirke bis heute nach. Zwar handelte es sich um eine alliierte Luftoffensive, doch der Grund war die nationalsozialistische Expansionspolitik gewesen; Ziel waren Verkehrsstrukturen der Wehrmacht. Für Meining steht der Angriff daher auch für die Folgen von Hass, Verblendung und systematischer Verachtung anderer Menschen. „Hier haben wir gesehen, was Hass und Verachtung anrichten können.“

Ein Blick in Peter Loehs Fotoalbum zeigt unter anderem ihn als Einjährigen im Kinderwagen, seine Mutter und zerstörte Züge.
© Angelika Blank (3)

Auch Landrat Steve Kanitz mahnte, das Geschehene nicht in Vergessenheit geraten zu lassen. Ebenso wie Meining und Julius Lohr von der Jeetzeschule rief er dazu auf, Demokratie nicht als selbstverständlich zu betrachten, sondern Verantwortung für ihren Erhalt zu übernehmen.

Pünktlich um 12.10 Uhr, der Uhrzeit des ersten Bombenabwurfs, läuteten die Kirchenglocken. Mit einem Psalm, vorgetragen von Pastor Dr. Matthias Friske, sowie einem Trompetenstück von Baptiste Arban, gespielt von Stephan Sell von der Musikschule Salzwedel, endete die Gedenkfeier.

Quellenangabe: Altmark Zeitung vom 24.02.2026, Seite 3

Interesse an einem kostenlosen Testzugang zum ePaper? Bestellen Sie hier: https://meinabo.az-online.de/abo/#abo-pricing . Der Test endet automatisch. 

Translate »

Pin It on Pinterest

Share This
Consent Management Platform von Real Cookie Banner