In einer Nussschale über das Mittelmeer – Jeetze-Schüler führen Theaterstück zur Asylpolitik auf

Die Theatergruppe der Elft- und Zwölftklässler der Jeetze-Schule traf sich zu einem Gespräch mit zwei anerkannten Flüchtlingen aus Syrien und dem Iran.      Fotos (2): Lüdemann

Die Theatergruppe der Elft- und Zwölftklässler der Jeetze-Schule traf sich zu einem Gespräch mit zwei anerkannten Flüchtlingen aus Syrien und dem Iran. Fotos (2): Lüdemann

(Quelle: Altmarkzeitung von Katja Lüdemann)
Salzwedel. „Ich bin auf einem Boot aus Syrien geflohen. Zusammen mit 265 anderen Menschen war ich über zwei Wochen auf einer Nussschale gefangen“, erzählt Ephram. „Ich möchte nicht, dass ihr so etwas jemals erleben müsst“, wendet sich der 47-Jährige, der in seiner Heimat als Zahntechniker gearbeitet hat, an die Elft- und Zwölftklässler der Theatergruppe der Jeetze-Schule.
Schon vor einem halben Jahr hatten die Theaterpädagoginnen Nicoletta Geiersbach und Charlotte Knappstein die Idee zu einem Stück über die Flüchtlingsproblematik. Gemeinsam mit der Landeszentrale für politische Bildung wird das Theaterprojekt nun umgesetzt.
Ephram, der vor fünf Jahren vor dem Krieg aus Syrien geflohen ist, konnte erst im vergangenen Jahr seine Familie nachholen. „Ich war verloren im deutschen Behördendschungel. Am meisten belastet mich, dass ich keine Arbeit finde“, bedauert Ephram. Der Zahntechniker hat in seiner syrischen Heimat oft Aufträge aus Deutschland bearbeitet. Jetzt wo er in Deutschland lebt, wird seine Ausbildung nicht anerkannt.
Flüchtlinge aus Syrien und dem Iran Foto LüdemannFarin (40) floh 2004 aus dem Iran. Dort drohten ihm fünf Jahre Gefängnis, weil er sich gegen die Regierung geäußert hatte. Über die Türkei, mit gefälschten Pässen für 20 000 Euro, floh der studierte Metallbauingenieur mit seiner Frau und dem Sohn nach Deutschland. „Wir haben alles zusammen gespart, unsere Familien haben uns Geld gegeben. Ich vermisse meine Heimat, aber ich kann nicht mehr zurück“, erzählt Farin. Weil er keine Arbeit findet, macht er eine Ausbildung als Schweißer, doch noch immer will ihn keiner einstellen. 2008 wurde sein Asylantrag anerkannt. Anfang 2015 erfüllte er sich dann einen Traum und eröffnete eine orientalische Bäckerei.
Erzählungen, auch wenn es nur Fragmente einer Flucht sind, sind sie für die Schüler der Jeetze-Schule unfassbar. „Wir werden dies in den kommenden Tagen gemeinsam verarbeiten“, so Knappstein. Am Dienstag, 15. September, führen die Jungen und Mädchen um 19 Uhr im Hansehof ihr Theaterstück auf. Der Spendenerlös soll für die Arbeit mit Flüchtlingen eingesetzt werden, hieß es einstimmig.
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