Warum Schüler auf die Straße gehen

Jugendliche erheben in Salzwedel ihre Stimme zum Protest und demonstrieren

Sie sind jung, sie sind Schüler und sie gehen für ihre Zukunft auf die Straße. Die Rede ist von der Demonstrationsbewegung „Friday For Future“. Auch in Salzwedel erheben heute ab 13 Uhr wieder Jugendliche ihre Stimme zum Protest. Doch was treibt sie an?

Von Alexander Rekow VOLKSSTIMME

Salzwedel l „Wir sorgen uns nicht nur in der Schulzeit um das Klima, sondern immer“, sagt Leah Schönfeld. Die 16-jährige Schülerin der Jeetzeschule gehört wie die gleichaltrige Manjana Mertens vom Jahngymnasium zum Organisationsteam der Demonstrationsreihe „Friday For Future“ in Salzwedel – zu deutsch Freitage für die Zukunft. Bei der globalen Schüler- und Studentenbewegung engagieren sich junge Menschen für den Klimaschutz.

Auch heute gehen wieder von 13 bis 15 Uhr zahlreiche Schüler der Region in Salzwedels Stadtzentrum auf die Straße, um ihren Forderungen Nachdruck zu verleihen. Und diese haben es in sich. „Wir fordern ein Ende der Subvention fossiler Energieträger“, beginnt Leah Schönfeld aufzulisten. Auch soll bis Ende 2019 ein Viertel aller Kohlekraftwerke vom Netz ge- nommen werden. Bis 2030 soll die Kohle als Energielieferant komplett ausgedient haben. „Wir fordern von der Politik auch eine CO2-Steuer“, listet Schönfeld weiter auf. Unterm Strich bedeutet das, dass jeder für den tatsächlichen Ausstoß zahlt. Gerade auf Flugunternehmen oder Reedereien kämen dann extrem hohe Kosten zu, die diese Verkehrsmittel wesentlich unattraktiver machen würden. Im Jahr 2035 soll der Ausstoß bei „Netto-Null“ liegen. „Das heißt, dass wir alle nur soviel ausstoßen, wie die Pflanzen auch aufnehmen können“, erklärt Leah Schönfeld. Stattdessen fordern die Schüler von der Politik, erneuerbare Energien zu subventionieren, bekräftigt Manjana Mertens. Damit diese Forderungen auch Politik und Öffentlichkeit erreichen, finden freitags die Demonstrationen statt. Schließlich gehe auch kein Arbeitnehmer am Feiertag zum Streiken auf die Straße.

Damit, dass die Schüler auch in ihren Ferien auf die Straße gehen, nehmen sie jenen den Wind aus den Segeln, die behaupten, es ginge ihnen nur ums Schwänzen. Das zeigten sie bereits am Mittwoch, als sie in ihren Ferien in Salzwedel Müll aufsammelten, um die Natur zu entlasten. „Die Stadt ist so vermüllt“, ärgert sich Mertens.


Die 16-jährigen Schülerinnen Manjana Mertens (links) und Leah Schönfeld gehören zu den Organisatoren von „Fridays For Future“ in Salzwedel. Foto: Alexander Rekow VOLKSSTIMME

Auch mit dem Argument der Gegner, sie würden sich fürs Klima einsetzen, aber gleichzeitig mit ihrem Konsum das Gegenteil bewirken, räumen die beiden 16-Jährigen auf. „Natürlich haben wir Handys“, meint Leah Schönfeld. Schließlich sind die beiden Mädchen Teenager, surfen im Netz und chatten mit Freunden. „Aber wir nutzen unsere Smartphones bis sie kaputt sind und kaufen nicht jedes Jahr ein neues“, ergänzt Mertens: „Außerdem kann man die auch gebraucht kaufen.“ Ebenso wie Kleidung, weshalb sie zu Second-Hand statt neuer Mode greifen. Auch sei sie für die Reaktivierung alter Gleise, um mehr Verkehr von der Straße auf die Schiene zu bekommen. Fastfood und übermäßigen Fleischkonsum vermeiden sie hingegen. Dass das alles für viele Demo-Teilnehmer nicht selbstverständlich ist, wissen sie. Daher appellieren sie untereinander für eine nachhaltiges Lebensweise und informieren.

Grundsätzlich finden die Mädchen die Debatte um die Sinnhaftigkeit der Demos unnötig. „Vielmehr sollten die Menschen über den Klimawandel sprechen“, sagt Mertens. Denn schon heute seien Gebiete auf der Welt aufgrund dessen unbewohnbar, weshalb Klimaflüchtlinge Schutz in anderen Ländern suchen. „Ich möchte keinen Krieg um Wasser erleben“, sagt Schönfeld: „Die Auswirkungen von Dürre haben

wir selbst im letzten Sommer erlebt.“ Übrigens: Am 2. Mai erwartet die Ortsgruppe den Lohmer Bürgermeister Bernd Dickau. Er hatte die Aktion „Lohmen bewegt sich“ initiiert und Bürger mit Schrittzählern ausgestattet. Das möchte die Ortsgruppe auch in Salzwedel probieren und im Juni die Zähler für eine Woche verleihen. „Wir wollen Leute dazu bewegen, zu Fuß zu gehen.“

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