Ziemendorfer Schilf für den Arendsee

Jugendliche und Senioren sorgen mit einer Pflanzaktion für das ökologische System des Gewässers

Nicht nur demonstrieren, auch praktischen Umweltschutz praktizieren – das wollten gestern rund 30 Schüler aus Arendsee und Salzwedel. Sie pflanzten mit Senioren neues Schilf am Arendsee.

Von Eckehard Schwarz VOLKSSTIMME

Gruppenbild nach getaner Arbeit: Diese Schüler pflanzten gestern mehrere Stunden lang Schilf in den Uferbereich des Arendsee. Foto: Eckehard Schwarz VOLKSSTIMME

Arendsee l „Wir möchten etwas Bleibendes für die Umwelt machen und nicht nur demonstrieren und anschließend mit einem großen SUV von unseren Eltern abgeholt werden“, betonen die Schüler der 11. Klasse der Jeetzeschule in Salzwedel sowie der 10. Klasse der Arendseer Sekundarschule gestern während der Pflanzaktion am Ufer des Arendsee. Eine Retourkutsche voller Ironie an alle Kritiker, die den jungen Leuten vorwerfen, dass sie ihre Forderungen nach mehr Umweltschutz bei sich selbst nicht allzu ernst meinen.

Die Pflanzaktion sei vor allem positiv, weil aktiv etwas für die Tier- und Pflanzenwelt am See getan werde, betonte Josepha Lou Schweig, die im Wendland wohnt und die Jeetzeschule besucht. Auch Alina Flechtner und Marie-Helene Falke aus Arendsee schlossen sich dem an.

Angeregt wurde die Pflanzaktion allerdings nicht von den jungen Leuten, sondern von mehreren Arendseer Bürgern um Dr. Helmut Günther.

Antje Pochte und Dr. Helmut Günter befestigten das Hinweisschild „Geschütztes Biotop“ am Seeufer. Foto: Eckehard Schwarz VOLKSSTIMME

„Und ich bin sehr glücklich darüber, dass so viele Schüler mit ihren Lehrern sowie fünf Arendseer Rentner uns bei der Pflanzung helfen“, freute sich der Organisator der Aktion. Alle seien sehr fleißig gewesen, „so dass wir schon nach zwei Stunden fertig sind“, lobte Günther.

Zuvor hatte er beim Kreis- Umweltamt einen entsprechenden Antrag gestellt und auch der Landesbetrieb für Hochwasserschutz und Wasserwirtschaft wurde in Kenntnis gesetzt.

Einige Schüler schlossen an dieser einen wilden Durchgang am Landes-Wellenbrecher. Foto: Eckehard Schwarz VOLKSSTIMME

Ziel der Aktion sei es, Stellen, die durch das Niedrigwasser des Sees oft als zusätzliche Badestellen genutzt wurden zu bepflanzen. Besonders der Bereich am Landes-Wellenbrecher sei oft zum Baden und sogar zum Wildcampen genutzt worden. Jetzt hoffen die Organisatoren auf Einsicht der Besucher, dass diese Stellen keine Badestellen sind, damit die neuen Schilfpflanzen nicht umgetreten werden.

Vorsichtshalber hatte Helmut Günther mehrere Hinweisschilder mit der Aufschrift „Geschütztes Biotop“ mit- und angebracht.

Die etwa 1000 Schilfpflanzen, die die jungen Leute gestern setzten, stammen übrigens nicht etwa aus dem Arendsee, sondern seien eine Spende aus dem privaten Garten der Familie Baltruschat aus Ziemendorf, machte Günther klar. „Es wäre ja auch dumm, die Pflanzen von einer Stelle des Sees zu einer anderen zu verpflanzen“, schmunzelte er.

Dass die Jugendlichen mit ihrem praktischen Biologieunterricht auch etwas für das ökologische System des Sees taten, versicherte ihnen nach der Pflanzaktion Dr. Holger Rupp vom Helmholtz Zentrum für Umweltforschung in Falkenberg. Wie er betonte, sei ein Schilfgürtel für den See die beste Uferbefestigung und gleichzeitig auch ein Biotop und Brutbereich für die verschiedenen Vögel wie Teichrohrsänger, Blässhühner oder Haubentaucher. Auch als biologische Kläranlage sei ein intakter Schilfgürtel wertvoll. Wie er den Jugendlichen erklärte, wird dem See über das Schilf und dessen Wurzeln Sauerstoff zugeführt. Weiterhin nimmt es Phosphor auf, das wiederum den Blaualgen, die im Arendsee bekanntlich im Sommer für mehrere Tage für Badeverbot sorgten, als Nährstoff entzogen wird.

Auch für das kommende Jahr sind Pflanzaktionen angedacht, so möchten die Helfer von gestern auch im Bereich des ehemaligen Waldheims eine weitere Fläche bepflanzen. Wie Helmut Günther und sein Team zum Abschluss des Aktionstages ausdrücklich betonten, sollen die seit vielen Jahren genutzten Badestellen nämlich nicht „überpflanzt“ und auch nicht durch die Neupflanzungen eingeengt werden.

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